Werden Graffitis salonfähig, wenn daraus ein Lehrbuch ensteht?

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Wann sind die ersten Graffitis entstanden? Erst dann als Harald Nägeli die Hausfassaden von Zürich besprühte und dann im Exil Schutz vor der Justiz fand? Oder geschah das schon viel früher? Zwei Studentinnen der Pädagogischen Fachhochschule gingen diesen Fragen nach und haben gleich noch eine Anleitung zur Herstellung von Graffitis erstellt.

Zur Bachelorarbeit, die den Abschluss ihrer Ausbildung markiert, haben die beiden ein „Sprühfest“ lanciert, welches sich in einer Webseite und einem Lehrmittel niederschlägt. Ja richtig gelesen, die beiden haben tatsächlich ein Lehrmittel für Primaschüler mit praktischen Anleitungen hergestellt. Inhaltlich geht es nicht etwa um verschmierte Wände oder Eisenbahnwaggons. Nein. Es ist ein spannend zu lesendes Buch mit vielen Ergänzungen auf der Onlineausgabe. Ich selbst habe versucht ein Moos Graffiti an die Wand hinzukriegen, was mir aber gründlich misslang. Wer das selbst ausprobieren will, guckt am besten da mal nach.

Die beiden jungen Damen haben es aber auch nicht für mich gemacht, sondern für den Einsatz in der Schule. Das Lehrmittel soll im Unterricht da eingesetzt werden, wo es anzusiedeln ist. Im Fach bildnerisches Gestalten.

Wie kommen nun aber ausgerechnet zwei angehende Lehrerinnen dazu eine umfassende Arbeit über etwas abzuliefern, an dessen Ende doch immer jeweils verschmierte Wände, Bahnwagen oder Fabrikgebäude stehen.

Nun, die Erklärung dazu ist einfach. Zu Beginn des Schuleintritts sind alle Kinder wissbegierig. Alles ist neu, die Lehrerinn die da vorne steht, werden von Jungs angehimmelt. Und ganz ehrlich; praktisch jeder von ihnen wünscht sich mehr von ihrer Aufmerksamkeit. Befinden sich Kinder in diesem Stadium, nenn man das Lernziel- und Prozessorientierung. Dieses Interesse nimmt ab, sobald die Kinder in die 5 oder 6 Klasse eintreten. Ab dann etwa sind von ihrem eigenen Ego gesteuert. Das Interesse nimmt ab und eine Demotivation tritt ein. Es gilt also die intrinsische Motivation der extrensischen Motivation vorzuziehen. Letztere beruht auf Druck und Belohnung. Ersteres fördert den Lernprozess durch Eigenmotivation.

In einer Umfrage bei Schülern der 6. Klasse hätten sich 34% dafür ausgesprochen, dass sie im Unterricht „Bildnerisches Gestalten“ das Thema Graffiti ein adäquates Thema wäre um eben diese intrinsische Motivation zu erlangen.

Das Problem für die beiden Studentinnen das sich ihnen nun stellte, war mitunter eine Arbeit zu schreiben die allen Anspruchsgruppen gerecht wird. Ein Lernmittel zu erstellen, welches dann in der Praxis auch angewendet werden kann. Denn zweifellos leiden Graffitis unter einem sehr schlechten Ruf. Der Gang zur Rechtsberatung, Gespräche auf Stufe Bezirksgericht miteingeschlossen, wurde unumgänglich.

Grafitti
Ich glaube Sie haben ein gutes Werk geschaffen, dass auch allen anderen Interessierten hilft, etwas über Graffitis zu lernen und auch mal was auszuprobieren

Auf der Webseite www.spruehfest.jimdo.com sind alle Informationen vorhanden, die man benötigt, wer sich dem Thema Graffiti widmen und etwas lernen will.

 

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