Wie arbeiten wir in 5, 10 oder 20 Jahren?

Jobs-in-Zukunft-Büroalltag

Ich erinnere mich noch gut daran, wie Eltern ihren Kindern eingetrichtert haben, dass sie zumindest eine Lehre zu absolvieren haben, damit sie ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt wahren. Noch besser wäre es gewesen die Matura zu bestehen, damit das anschliessende Studium dem Nachwuchs die Tür zum Universum aufstösst. Pilot bei der Swissair, war damals der Modelberuf schlechthin. Was galt da schon die Hilfskraft in der Papierfabrik Biberist.

Und heute? Es existieren weder die Swissair noch die Papierfabrik Biberist. Wir erinnern uns noch bestens daran, wie das erst genannte Unternehmen im Sinkflug hart auf der Landebahn aufschlug, während das zweit genannte erst von skandinavischen Firmen übernommen wurde, bevor es dann doch im Pulper der eigenen Produktion unterging. Weder das Studium, die Lehre oder, im Fall des Hilfsarbeiter, gar keine Ausbildung, hat den Mitarbeitern damals was genützt. Sie alle wurden vom Schicksal arg gebeutelt.

Das Internet hat den Menschen neu erfunden. Informationen prasseln in Sekundentakt auf uns ein. Zur Verarbeitung der vielen Nachrichten bleibt da kaum noch Zeit. Heute funktionieren Menschen anders. Umgangsformen sind nicht dieselben, wie wir es von unseren Eltern gewohnt sind und wie wir es gelernt haben. Wer denkt ein Handschlag ist noch etwas wert, der irrt gründlich. Die unverbindliche Verbindlichkeit macht sich breit. Die Austauschbarkeit ist allgegenwärtig. Es spielt keine Rolle ob wir hier von Lieferanten, Produkten oder Mitarbeitern sprechen. Es ist auch egal ob Mitarbeiter ein Studium, eine Lehre oder, im Fall des Hilfsarbeiters, gar keine Ausbildung haben. Wenn es nicht passt, dann wird frisch sortiert. Und das in kürzester Zeit.

Der Zukunftsforscher Professor Dr. Horst W. Opaschowski geht davon aus, dass bald jeder zweite Beschäftigte keinen Vollzeitjob mehr habe.
Ausgerechnet jetzt lesen wir von solchen Prognosen, nachdem doch die Individualisierung des Einzelnen der Sicherheit des Kollektivs Platz gemacht hat. Die Familie erlebt eine Renaissance. Und dann stellt die Überalterung der Gesellschaft noch ein zusätzliches Problem dar. Und was tut die Politik dagegen? 85 Prozent der Schweizer glauben, dass diese sich schlecht auf die Zukunft vorbereitet.

Das Überleben der Marktwirtschaft hängt davon ab, ob wir das Materielle dem  Wohlergehen der Menschen den Vorrang geben. Nur, soweit wird es nicht kommen?

Angenommen Opaschowski behält Recht und die Dauerstellen verschwinden, was dann? Wenn ältere Mitarbeiter ihre Erfahrungen und ihre, unbestritten vorhandenen, Kompetenzen keinem Arbeitgeber mehr zur Verfügung stellen können? Wie würde das Umfeld aussehen?

Was wäre, wenn man einem Arbeitgeber den ganzen Rucksack an Wissen, all die Erfahrungen aus Schulen und Kursen, die notabene jeder und jede im Leben schon gemacht hat, einem Arbeitgeber nur für eine gewisse Zeit zur Verfügung stellt. Wenn Opaschowski Recht behält und der Staat nicht fähig ist darauf zu reagieren, dann sollen die Arbeitnehmer und KMUs nicht als Verlierer dastehen.
Sollte dem Arbeitnehmer keine anderen Möglichkeiten mehr geboten werden, soll er zumindest dadurch belohnt werden seine Kompetenzen befristet dem Markt anbieten zu können? Und vielleicht macht es Sinn wenn dem Arbeitgeber zur Realisierung von Ideen oder Projekten Mitarbeiter nur für eine bestimmte Zeit zur Verfügung stehen.

Angenommen in 5 Jahren steht unsere gewohnte Welt Kopf und wir verteilen unsere maximal mögliche Zeit auf verschiedene Arbeitgeber. Wir arbeiten während 30% unserer Kapazität an einer Machbarkeitsstudie, 40% unserer Zeit stellen wir einem Unternehmen zur Verfügung, welches Integriertes Qualitätsmanagement durchsetzen will, da wir ein grosses Kunsthistorisches Wissen verfügen helfen wir dem Tourismusverein während 20% unserer Zeit Touristen durch die Stadt zu führen. Es bleiben noch 10%. Die behalten wir als Reserve.

Wenn das Internet uns Menschen und unsere Gesellschaftsformen zu ändern vermag, wäre es auch denkbar das Internet dazu zu nutzen unsere Fähigkeiten nicht nur einem, sondern mehreren Arbeitgebern näher zu bringen. Wie stellen sich aber die Arbeitgeber dazu. Können die sich vorstellen, Kompetenzen für ganz bestimmte Aufgaben au Zeit zu beziehen. Was denkt ihr?

Angenommen ein Arbeitnehmer und ein Arbeitgeber treffen sich anonym au einer Plattform im Internet. Dem Arbeitgeber werden als erstes nur Kompetenzen offeriert und der Arbeitnehmer bekommt nur ein Projekt zu Gesicht. Erst wenn ein echtes Interesse besteht, wird dem Gegenüber das Profil angezeigt. Und wenn dann der Arbeitgeber die erforderlichen Kapazitäten findet, die der Arbeitgeber diesem vergeben will, kommt es zu einer Zusammenarbeit. Funktioniert ein solches Arbeitsmodel? Oder könnte ein künftiges Arbeitsmodel ganz anders aussehen?

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